p.ost

how to tell the biblical story in a way that makes a difference

Von der „neuen Perspektive“ zur „Missionaren Praxis“: Sondierung der Spannungsfelder

[German translation by Helge Seekamp of my post “From New Perspective to missional praxis: plotting the tensions”.]

In letzter Zeit war für eine ganze Anzahl Leute, die auf unterschiedliche Weise aber gemeinsam der These zustimmten, dass die Zukunft der evangelikalen Bewegung idealerweise in der Konvergenz der sogenannten neun Perspektiven und emergent-missionaler Formen von Kirche läge.

Dadurch entstand die Frage, solch eine Konvergenz überhaupt irgendeine Chance zur Verwirklichung hat, wenn man die starken Fliehkräfte betrachtet, die das große Schiff des modernen evangelikales muss sehr unterschiedliche Richtungen treibt.

Mit dem folgenden Diagramm versuche ich herauszuarbeiten, was mehr als die zwei Hauptspannungen oder Schlüsselfragen in den Prozess vorkommen, eine gangbare, biblische und noch glaubwürdige Alternative zum alten Christentums-Modell zu etablieren. Das Schaubild wird nicht eine Lösung bringen, sondern vielleicht ein bisschen mehr Klarheit.

Der Wechsel der theologischen Perspektiven

Es gibt zwei Bewegungsrichtungen oder Dynamik in dem Schaubild, die mit den zwei Fragen korrespondieren. Die erste Bewegungsrichtung oder Dynamik geht von links nach rechts, von einer alten theologischen Perspektive, die von den meisten Menschen im Moment eher mit der modernen Evangelikalen oder neo-reformierten Gedankenwelt assoziiert werden. Auf der anderen Seite tendiert sie zu einer neuen theologischen Perspektive, die ihre Wurzeln in E.P. Sanders’ Wiederentdeckung des sog. 2.-Tempel-Judaismus und den meisten durch die Arbeit von N.T. Wright bekannt wurde.

Die alte Perspektive

Unter der „alten Perspektive“ wird das neue Testament rückblickend durch die verengte Brille einer theologischen Abstraktion gelesen – das ist ein Überzeugung-System, das sich von den Texten abstrahiert hat und zwar unter den besonderen kulturellen und intellektuellen Umständen westlichen Christentums und dadurch die Kontrolle über alle weiteren Lesarten des Textes übernommen hat. Die traditionelle Praxis ist tief in dieser theologischen Perspektive begründet, genauso aber auch hat diese Begründung die neue missional—inkarnatorische Lesart, Kirche zu denken – entscheidend deshalb, weil das missional—inkarnatorische Modell entwickelt wurde, bevor die erste Frage sauber gelöst war. Aber wir greifen ein bisschen vor.

Die neue Perspektive

Zur Intention der „neuen Perspektive“ – all diese Kategorien sind jetzt ziemlich oberflächlich definiert – zählt, so weit wie möglich von innerhalb der Textlogik zu lesen, vorausschauend, und dabei den beobachteten narrativ notwendigen Erzählungen und Gedankenbögen gerecht werdend, die durch den historischen Kontext konstruiert werden.

hochinteressant ist es, dass dieses Verfahren zu einer neuen Treue zu den biblischen, christlichen Ursprüngen führt. Ich vermute, dass die Motivation dahinter zumindest zum Teil (für den einen mehr oder weniger) darin liegt, den stark kontrollierenden Einfluss des Christentums-Paradigmas zu überwinden.

Theologische Lehr-Bildung

Die zweite Entwicklung oder Dynamik ist eine von oben-nach-unten Bewegung von der Universitätstheologie her vermittelt durch einen Bildungsprozess (Formation) zur konkreten Praxis der Kirche.

Obwohl diese Sequenz theoretisch korrekt aussieht, ist in Wirklichkeit die Bewegung oft in der Gegenrichtung: (Geist geleitete) Praxis formt dann die Theologie. Ich sollte also sagen, dass ich mit „Theologie“ die Ebene theologischer Fragen bezeichne, die von sich behauptet, direkt mit dem Bibellesen befasst zu sein und dann vor allem noch mit dem des neuen Testamentes.

Emergente und missionale Praxis

Praxis kommt jetzt wie du bemerken wirst in zwei verschiedenen Farben. Eine bedeutsame Entwicklung der letzten Jahre war sicher die ziemlich radikale Neubewertung der Beziehung zwischen Kirche und Mission. Traditionell wurde Kirche als der sichere Ort angesehen, an dem man sich fern von der Welt versammelte, um eine sehr limitierte Anzahl „spiritueller“ Wirkungen zu erzeugen.

Mission wurde dann entweder als Einladung – durch persönliche Evangelisieren – , um Teil der Kirche zu werden, oder als die Sendung von Missionaren, um ähnliche Institutionen in entfernten Orten zu gründen.

Als Gegenreaktion haben Missiologische Theologen – Frost und Hirsch stehen mir sofort vor Augen – für einen Zentrifugenfugalen Inkarnatorischen Zugang zu Mission geworben, demgemäß die Kirche per definitionem eine Gemeinschaft darstellt, die in die Welt gesendet ist um die Gegenwart Christi zu repräsentieren.

Diese Bewegung haben manchmal derart zentrifugal oder inkarnatorisch gewirkt, dass David Fitch seine Besorgnis über die “de-ecclesiologizing“, die Entkirchlichung der Beziehung Kirche-Gesellschaft befürchtet hat. Aber das ist eine andere Story.

Emergente Theologie

Anfange habe ich eine wichtige theologische Optionen ausgelassen, die durch Leute wie Brian McLaren und Rob Bell repräsentiert werden und die unter der Flagge der immer emergenten Bewegung läuft. In einigen Fällen ist es ein Rückfall in klassischen Liberalismus, in anderen seiner Hybridformen zwischen der alten und der neuen Perspektive; oft ist es einfach eine gut gemeinte, eklektische, aber nicht so überzeugender Versuch, die vollständige soziale und politische Ausrichtung der biblischen Zeugnisse wiederherzustellen.

Meiner Meinung nach ist all das keine ausreichend gute theologische Ausgangslage ( wobei wir immer im Hinterkopf behalten, dass Theologie oft das ist, wo wir enden, statt zu beginnen), sondern bietet bestenfalls gute Fragen als hilfreiche Antworten.

Jim Hoag jedenfalls zitierte irgendwo einen Kommentar, betreffend der wahrgenommenen Ausschließung der emergenten Bewegung durch David Fitch’s Koalition, weil die „“Neo-Anabaptist/Radical Orthodoxy Jungs nicht begreifen, dass unser Zögern, feste Antworten zu geben und uns in einer spezifischen theologischen Tradition zu beheimateten, an sich schon eine bewusste theologische Reaktion darstellt.“

Ich möchte diese wahrgenommenen Exklusion nicht noch verstärken. Mein Hauptanliegen als neutestamentlicher Theologe, ist die Gründung evangelischer Lehre und Praxis in einer zuverlässigen Lesart des neuen Testamentes. meiner Meinung nach bietet die neue Perspektive mit der Zeit die besten methodologischen Rahmenbedingungen, um dieses Ziel zu erreichen. Mir liegt aber fern, mit dieser besonderen Priorisierung neutestamentlicher Interpretationen in einer Art positivistischer Weise die postmodernen, intuitiven Wahrnehmungen der emergenten Bewegung auszuschließen.

Mein Vorschlag ist deshalb – durch dieses schematische Bild –, dass die emergence Theologie nützlich zwischen neuer theologischer Perspektive und emergence missionare Praxis eingefügt werden kann, um die Lehre zu fördern,

Frage 1

Eine erste Frage oder ein erster Hinweis auf eine Spannung und Unklarheit hat zu tun mit der Entwicklung von der alten Perspektive zur neuen Perspektive. Sollte die evangelische Kirche – ich benutze hier besonders den breiten Begriff – sich insgesamt in Richtung der neuen Perspektive bewegen? Sollte sie die alte Perspektive insgesamt aufgeben? Sollten wir für eine Art Kompromiss sorgen, eine Mixtur aus alter-neuer Perspektive?

Meine persönliche Anschauung ist die, dass wir noch nicht wirklich die umfassenden Folgewirkungen des Paradigmenwechsels verstanden haben, die hier zur Debatte stehen. Daher könnte ein viel größerer Graben sich zwischen diesen beiden Perspektiven öffnen – bis zu dem Punkt, dass eine „evangelische Theologie für das kommende Zeitalter“ möglicherweise etwas gänzlich anderes ist als alles, dass wir bisher gewohnt waren. Mein Argument hier ist nur, dass wir kaum begonnen haben, alle versteckten Implikationen dieses theologischen Wandels zu begreifen.

Frage 2

Die zweite Frage oder die zweite Spannung oder Unsicherheit Volk direkt aus den Konsequenzen der ersten. Weil wir jetzt noch nicht sicher sein können, diese neue theologische Grundlage aussieht, oder sogar präzise, wo sie konstruiert werden muss – wie weit müssen wir uns zum Beispiel von den alten theologischen Grundlagen entfernen, mit der Absicht festen Grund zu finden?

Darum sind wir natürlicherweise zögerlich, die Aufgabe eines Weges oder einer theologischen Lehrbildung zu beschreiben.

Damit ist die Praxis auf einer sehr wackligen und experimentellen Grundlage aufgestellt. Unter dieser Voraussetzung und weiteren unterschiedlichen Zwängen, die Kirchen und Missionsorganisationen unterliegen, um messbare und „orthodoxe“ Ergebnisse herzustellen, ist es nicht überraschend, dass wir manchmal einen starke Strömung zurück zur alten Perspektive und den mehr traditionellen Formen der Praxis erleben, die durch den blauen Pfeil in der Mitte angedeutet wird.